Klimaschutz – solange er nicht den eigenen Lebensstil betrifft?

Wie ernst meinen wir Klimaschutz? Ein Beitrag über Überzeugungen, persönliche Entscheidungen und die Frage, ob unser Lebensstil zu unseren Forderungen passt.

UMWELT- UND KLIMASCHUTZ

Thomas Hoppe

10/23/20262 min read

Umwelt- und Klimaschutz
Umwelt- und Klimaschutz

Umwelt- und Klimaschutz

Es ist ein gewöhnlicher Vormittag mitten in der Woche. Ich stehe beim Bäcker in der Schlange. Vor mir unterhalten sich zwei Frauen. Sie sprechen über ihre Töchter und eine bevorstehende Demonstration von Fridays for Future in Hamburg.

„Sag mal, geht deine Tochter kommenden Freitag auch zur Demo? Unsere ist wieder dabei. Vielleicht können sie ja zusammen hingehen?“

Die Antwort kommt prompt: „Du, sorry. Leider nein. Freitagmittag fliegen wir nach London. Wir besuchen am Samstag ein Theaterstück und kommen erst am Sonntag zurück.“

Das Gespräch ist damit eigentlich beendet. Für mich beginnt an dieser Stelle jedoch eine Frage, die weit über diese zufällige Begegnung hinausgeht.

Wie ernst meinen wir es mit dem Klimaschutz, wenn unsere Überzeugungen auf die eigenen Lebensgewohnheiten treffen?

Es ist gut, wenn junge Menschen sich für den Klimaschutz einsetzen. Es ist gut, wenn sie Missstände ansprechen, Veränderungen fordern und darauf aufmerksam machen, dass die Zukunft unseres Planeten keine Nebensache ist.

Doch eine Demonstration ist zunächst ein Zeichen. Sie zeigt, dass jemand eine Forderung unterstützt. Sie beantwortet noch nicht die Frage, wie diese Überzeugung im Alltag gelebt wird.

Natürlich darf eine Familie nach London reisen. Natürlich darf man ein Theater besuchen und das Leben genießen. Niemand muss vollkommen sein, um sich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen zu dürfen.

Aber darf man nicht trotzdem fragen, ob Anspruch und Wirklichkeit noch zusammenpassen?

Wenn wir von anderen verlangen, ihr Verhalten zu ändern, müssen wir auch bereit sein, das eigene zu hinterfragen. Klimaschutz kann nicht ausschließlich eine Forderung an Politik, Wirtschaft und Mitmenschen sein. Er beginnt ebenso bei den Entscheidungen, die wir selbst treffen – gerade dann, wenn es bequemer wäre, nicht darüber nachzudenken.

Es geht nicht darum, mit dem Finger auf einzelne Menschen zu zeigen. Es geht um etwas Grundsätzlicheres: um Glaubwürdigkeit.

Eine Überzeugung beweist sich nicht allein darin, dass wir sie öffentlich vertreten. Sie zeigt sich auch darin, welchen Stellenwert wir ihr geben, wenn sie mit unseren eigenen Wünschen und Gewohnheiten in Konflikt gerät.

Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, nicht nur zu fragen, wer auf die Straße geht und wer eine Demonstration unterstützt. Vielleicht sollten wir uns alle öfter fragen, was wir selbst bereit sind zu verändern.

Denn Klimaschutz darf nicht zu einer Haltung werden, die wir von anderen einfordern, während wir für uns selbst Ausnahmen zur Regel machen.

Ernst gemeinter Klimaschutz beginnt nicht erst bei den anderen.

Er beginnt bei uns!

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